Apothekenrezepturen

Kein Defektur-Privileg für Versandapotheken Patrick Hollstein, 17.07.2017 12:50 Uhr

Berlin - Apotheken dürfen für Hausspezialitäten, die sie im Rahmen der Defektur herstellen, bei ihren Kunden werben. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Parallel kam aber das Oberlandesgericht Köln (OLG) zu dem Ergebnis, dass sie es dabei nicht übertreiben sollten: Wer spezielle Arzneimittelzubereitungen im Versandhandel anbietet, braucht demnach eine Zulassung.

Vor dem BGH ging es um Weihrauch-Kapseln, die Johannes Ertelt, Inhaber der Hohenzollern-Apotheke in Bisingen, als Defektur herstellt. Wegen der Werbung in einer Patienteninformation und einer Broschüre war der Apotheker von Hecht Pharma, dem Hersteller des Nahrungsergänzungsmittels „H 15 Weihrauch“, abgemahnt worden.

Hecht Pharma hatte mit Verweis auf §3a Heilmittelwerbegesetz (HWG) argumentiert, für nicht zugelassene Arzneimittel dürfe nicht geworben werden. Ertelt hielt entgegen, dieses Verbot gelte nur für Medikamente, die eine Zulassung benötigten – und damit nicht für Defekturen, die von der Zulassungspflicht befreit seien.

Nach §21 Arzneimittelgesetz (AMG) brauchen Arzneimittel keine Zulassung, wenn sie „auf Grund nachweislich häufiger ärztlicher oder zahnärztlicher Verschreibung in den wesentlichen Herstellungsschritten in einer Apotheke in einer Menge bis zu hundert abgabefertigen Packungen an einem Tag im Rahmen des üblichen Apothekenbetriebs hergestellt werden und zur Abgabe im Rahmen der bestehenden Apothekenbetriebserlaubnis bestimmt sind“. In Ertelts Apotheke wurden 213 Packungen hergestellt – also deutlich weniger, als das AMG erlaubt.

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