Der Wahn des Großkunden
Es ist das Mantra des Großkunden: Die Krankenkassen wollen ihren alten Apothekenabschlag von 2,30 Euro zurück. Mit dieser Maximalforderung geht der GKV-Spitzenverband in jede politische Debatte. Neu... Mehr
Julia Pradel, 23. September 2011, 18:48 Uhr
Die Novitas BKK hat angekündigt, 60.000 Rezepte über Betäubungsmittel (BTM) aus den Jahren 2010 und 2011 prüfen zu lassen. Die ersten Retaxationen wurden bereits verschickt. Abgewickelt wird die Prüfung durch den Dienstleister Protaxplus, ein Gemeinschaftsunternehmen von Novitas BKK, BKK vor Ort und dem BKK-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Für Aufregung sorgt der Fall auch deshalb, weil einer der beiden Geschäftsführer von Protaxplus bis vor kurzem beim Apothekerverband Nordrhein für den Bereich Vertragswesen zuständig war.
Nach eigenen Angaben geht die Krankenkasse systematisch „Hinweisen auf eine nachlässige Verschreibungspraxis“ nach: Präzise Angaben zu Inhaltsstoffen und zur Anwendung seien gesetzlich vorgeschrieben und für die Sicherheit der Patienten unverzichtbar. Im Vorfeld seien alle Apotheken wiederholt schriftlich auf das Problem aufmerksam gemacht worden. Zu weiteren Details wollte sich die Kasse nicht äußern.
Nach Angaben aus Apothekerkreisen geht es unter anderem um die Kennzeichnung bei der Überschreitung der Höchstmengen beziehungsweise der Zahl der verschriebenen Präparate. Solche Rezepte sind vom Arzt mit dem Buchstaben „A“ zu kennzeichnen. Moniert wird in diesem Zusammenhang offenbar, dass bei handschriftlichen Vermerken die Gegenzeichnung des Arztes fehlt. Ein anderer Grund könnte sein, dass bei nicht explizit angegebener Dosierung vom Wortlaut „Gemäß schriftlicher Anweisung“ abgewichen wurde.
Selbst bei den Apothekerverbänden rätselt man noch über die Beanstandungen der Kasse: In den Geschäftstellen kritisiert man, dass eine genaue Begründung auf den Bescheiden fehle und die vermeintlichen Fehler somit nicht ersichtlich seien. Als Begründung werde lediglich ein „Verstoß gegen die BTM-Verschreibungsverordnung“ angeführt. Außerdem behalte die Kasse die Rechnungssumme direkt ein - obwohl in den meisten Lieferverträgen eine Einspruchsfrist festgelegt sei.
apotheke adhoc Debatte 25 Kommentare
MitdiskutierenBKK nimmt BTM-Rezepte ins Visier
zu 14:
Können Sie mir bitte den Anwalt nennen. Vielen Dank
@(23)
Es ist doch in der gesamten Wirtschaft üblich, dass eine Braut vor der Hochzeit künstlich aufgehübscht wird. Will heissen: Sollten Pläne bestehen, dass eine Kasse wegfusioniert, müssen die Zahlen vorher mit aller Macht geschönt werden, damit die alten Posteninhaber entweder gut dotiert weiterbeschäftigt werden oder aber möglichst hohe Abfindungen kassieren können. Dass hier plötzlich die gesamte Gerichtsbarkeit auf beiden Augen blind ist, ist auch nix wirklich Neues.
Amoklauf der Novitas BKK
Wer glaubt, damit könnte sich die Kasse vor der Insolvenz retten, lebt auf einem anderen Planeten.
Finanzielle Unabhängigkeit schafft man sich durch langjähriges Vertrauen bei Patienten und wirtschaftliches Arbeiten in der Verwaltung.
Das, was da läuft, könnte man ja schon als Insolvenzverschleppung ansehen.
Zu 14
Wie heißt der RA.
Danke
altes Spiel...
gehen wir noch weiter... Die BKK Novitas probierts mal und man schaut, was rauskommt und ob es sich rechnet...
Wenn es sich rechnet machen dann alle mit...
kenn ich schon...
Novitas-Bkk- bei den schlechtesten KK die Nr. 1
Die Novitas -Bkk hat im letzten Jahr von den Versicherten 8 Euro Zusatzbeitrag begonnen, zu erheben, ein Zeichen, dass die kurz vor dem Abgrund stehen. Daraufhin haben massiv die Mitglieder die Kasse verlassen. Die Vorstandsgehälter sind aber jenseits von gut und böse.In der eigenen Abrechnung merkt man, dass Novitas-Bkk absolut keine Rolle mehr spielt. Möge sich die Novitas BKK durch eigene Apotheken suchen, die sie beliefern, wie z.B. bestimmte easy- oder doc-morris-Apotheken in Berlin. Ach nein, das geht ja auch auch nicht, davon haben ja einige bereits dicht gemacht. Dann liebe Novitas-Bkk, dann dreht Eure Pillen selbst, nutzt indische Erfahrtungen, die sind billig!!!
Kasse wahrscheinlich pleite...?
Möglicherweise steht die Kasse vor der Pleite und muss jetzt Aktionismus zeigen um an Geld zu kommen - WIE AUCH IMMER! Wir sind natürlich wie immer der Dukatenesel!
4 Retaxationen - unbegründet
Mich hat es einen Vormittag gekostet um zu rätseln, was wohl falsch war. Das 1. Rezept wurde das handschriftl. A ohne ärztl. Unterschrift beanstandet, aber war gar nicht nötig, da die BTM - Höchstmenge nicht überschritten wurde. Ich hätte also auch Blümchen aufs Rezept malen können... Die anderen Rezepte mit Palexia wurden vermutlich retaxiert, weil kein Rabattartikel abgegeben wurde, leider gab es bis Ende Oktober 2010 keine Rabattverträge zu diesem Präparat. Also: man hat mich unbegründet retaxiert, ich habe nun Arbeit, um mein Geld zu bekommen, beschäftige den SAV noch mit, denn wir haben ja nichts zu tun. In der Zeit kann ich meine Kunden nicht beraten, um Geld zu verdienen. Aber die BKK hat mind. 1 Arbeitsplatz geschaffen, vermutl. Lehrling, gerade Ausbildung begonnen!!!
Auf jeden Fall Einspruch erheben...
selbst wenn die Kasse ausnahmsweise formal im Recht sein sollte. Das ist reine Abzocke, aber die unsägliche Machtposition der Kassen erlaubt denen so etwas.
Der Schuss könnte trotzdem nach hinten los gehen, wenn "Protax" (nomen est omen) auf einmal 60.000 Einsprüche bearbeiten muss. Die rechnen doch damit, dass sich die Mehrheit mal wieder gehorsam wegduckt.
Deshalb: JEDER Retax widersprechen, auch wenn es nur ein paar Euro sind, sonst heisst es wieder, die Apothekerschaft kann aufs Geld verzichten.
Doppelte Abzocke?
Wär mal interessant zu wissen, ob die bei den Ärzten für die Formfehler auch noch einmal abkassieren....