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OTC-Ausschluss

ASS auf dem Prüfstand

Désirée Kietzmann, 22. Mai 2009, 14:19 Uhr

  • Hohe Risiken: Professor Dr. Kay Brune fordert Beschränkungen für Acetylsalicylsäure und Co.
Berlin -

Experten fordern, Nutzen und Risiken der OTC-Analgetika neu zu bewerten. Im Zentrum der Kritik stehen insbesondere die nachzugelassenen Arzneistoffe ASS und Paracetamol: „Das Dogma - altbewährt gleich harmlos - lässt sich nicht halten“, sagte Professor Dr. Kay Brune, Direktor am Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Erlangen gegenüber APOTHEKE ADHOC.

Nicht nur bei Paracetamol auch bei ASS könne eine Überdosis zum Tode führen, sagt Brune. Bei Erwachsenen können dem Pharmakologen zufolge 20 Gramm eine akut lebensgefährliche Acidose auslösen. Die Hemmung der Blutgerinnung, die Gefahr von Asthmaanfällen, möglichen Magenblutungen sowie die Kontraindikation für Schwangere und Kinder sind für Brune weitere Nachteile des Schmerzmittels. Ibuprofen und Diclofenac hält der Pharmakologe in der heutigen Zeit für die besseren Analgetika, da sie in der OTC-Dosierung vergleichsweise geringere Nebenwirkungen hätten und nicht Suizid-geeignet seien.

Brune ist Mitglied im Sachverständigen-Ausschuss für Verschreibungspflicht des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Mehrere Mitglieder des Ausschusses hätten sich bereits für eine vergleichende Risikobewertung der Schmerzmittel durch das BfArM ausgesprochen, so Brune. Das Gremium wird sich in seiner Sitzung am 30. Juni nun zumindest mit einer Begrenzung der Packungsgrößen für Arzneimittel mit Ibuprofen, Diclofenac, ASS sowie anderen apothekenpflichtigen Analgetika beschäftigen.

„Der Kunde schließt von der verfügbaren Packungsgröße auf die Risikosituation“, sagte Brune. Packungen mit 100 Tabletten suggerierten, dass das Präparat harmlos sei. Brune plädiert dafür, die Größen auf zehn Tagesdosen zu beschränken. Dies entspricht der allgemeinen Empfehlung, wonach OTC-Schmerzmittel nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat angewendet werden sollten. Eine Beschränkung könnte Brune zufolge dazu führen, dass Patienten ihre Markentreue hinterfragen.

Wenn es nach Brune ginge, sollte es für bestimmte Arzneistoffe eine generelle Verschreibungspflicht geben: „Paracetamol und ASS haben im OTC-Bereich nichts mehr zu suchen“, so Brune. Das diese Forderung nicht umzusetzen sein wird, weiß auch der Pharmakologe. Dennoch müsse das langfristige Ziel sein, diese Arzneistoffe aus der rezeptfreien Schmerztherapie herauszunehmen. In Fachkreisen sei man sich einig, dass weder ASS noch Paracetamol nach heutigen Kriterien die Zulassung für den rezeptfreien Markt erhalten würden, so Brune.

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