Berlin - Die Finanzkrise erreicht mit voller Wucht den Pharmamarkt: Nach Agenturmeldungen steht der isländische Generikahersteller Actavis vor dem Verkauf. Einem Bericht des „Wall Street Journal” zufolge muss der isländische Milliardär Björgólfur Thor Björgólfsson, der über seine Beteiligungsgesellschaft Novator rund 80 Prozent an Actavis hält, seine Beteiligung abstoßen, nachdem er infolge des Landsbanki-Zusammenbruchs einen Großteil seines Vermögens verloren habe. Die 41-prozentige Beteiligung an Landsbanki Islands sei eines der größten Investments Bjorgolfssons gewesen.
Das „Wall Street Journal” schätzt das Volumen auf rund sechs Milliarden Euro. Ein Novator-Sprecher bestätigte dem Blatt, dass Actavis die US-Bank Merrill Lynch vor Monaten mit der Prüfung verschiedener Optionen wie einem Verkauf, einer Fusion oder einem erneuten Börsengang beauftragt habe. Björgólfsson hatte Actavis erst vor einem Jahr von der Börse genommen.
Bereits in der vergangenen Wochen hatte sich bei Actavis ein unruhiges Bild abgezeichnet. So hatte Anfang August Vorstandschef Robert Wessman das Handtuch geworfen; kurz danach hatten neue Übernahmegerüchte die Runde gemacht.
Beobachter fragen sich, inwiefern auch die schwindelerregende Expansion von Actavis in den vergangenen Jahren Teil der jetzt geplatzten Finanzblase war. Die jetzt vom isländischen Staat übernommenen oder zwangsverwalteten Banken drohen den Inselstaat in den Bankrott zu reißen. Björgólfsson hatte den Grundstein für sein undurchsichtiges Imperium mit Biergeschäften in Russland sowie Telekommunikation in Osteuropa gelegt und war der erste Milliardär Islands.
Patrick Hollstein, Freitag, 17. Oktober 2008, 13:10 Uhr
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