Aachen - Ein nun entdecktes krebsrelevantes Gen kann möglicherweise vielen Frauen die Chemotherapie ersparen. Das Tumorsupressor-Gen ist nach Erkenntnissen Aachener Wissenschaftler wichtig für die Vorhersage der Heilungschancen von Patientinnen mit Brusttumoren ohne Befall der Lymphknoten in den Achselhöhlen. Vielen Patientinnen dieser Gruppe könne nach jetziger Einschätzung die Übertherapierung durch eine genetische Analyse erspart werden, sagte der Wissenschaftler Professor Dr. Edgar Dahl.
„Im genetischen Profil des Tumors steckt genügend Information über dessen Aggressivität und damit über das Rückfall-Risiko der individuellen Patientin“, so Dahl. Das Gen mit dem Namen ITIH5 habe die Aufgabe, das Tumorwachstum zu unterdrücken. Im Verlauf der Tumorerkrankung könne die Funktion nach und nach ausgeschaltet werden. Patientinnen mit dem funktionstüchtigen Gen hätten ein geringes Rückfall-Risiko und eine „sehr gute“ Prognose. „Wir können die Veränderungen messen“, sagte Dahl.
Die Entdeckung des Brustkrebsmarkers könne langfristig helfen, das Problem der Übertherapierung zu lösen. Bei Früherkennungsprogrammen sind bei der deutlichen Mehrheit der Brustkrebspatientinnen die Lymphknoten der Achselhöhlen nicht befallen. Metastasen in anderen Organen könnten nahezu ausgeschlossen werden.
Trotzdem bekämen rund 80 Prozent dieser Patientinnen eine Chemotherapie, „obwohl dies nur bei 30 Prozent der Patientinnen dieser Gruppe notwendig wäre“, so Dahl. Die Annahmen müssten aber in groß angelegten Studien bewiesen werden. Bis zur Anwendung könne es bis zu fünf Jahre und mehr dauern.
dpa, Dienstag, 26. Januar 2010, 10:10 Uhr
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