zoom Emulsion erhöht Immunantwort: Den pandemischen Grippeimfpstoffen werden zum Teil Adjuvantien zugesetzt. Foto: Novartis

Emulsion erhöht Immunantwort: Den pandemischen Grippeimfpstoffen werden zum Teil Adjuvantien zugesetzt. Foto: Novartis

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WISSENSCHAFT

IMPFSTOFF-PRODUKTION

Mit Adjuvantien gegen die Schweinegrippe

Berlin  -  Weil die Produktionskapazitäten für die Herstellung des Schweinegrippeimpfstoffs weltweit begrenzt sind, werden den Vakzinen zum Teil Adjuvantien zugesetzt. Das spart nicht nur Antigen pro Impfdosis, sondern verstärkt auch die Immunreaktion. Auch die beiden in Europa nun zugelassenen Impfstoffe Focetria von Novartis und Pandemrix von GlaxoSmithKline enthalten Adjuvantien.

Durch den Zusatz kann nicht nur die Antigenmenge reduziert werden; möglicherweise begünstigen die Wirkverstärker die Entstehung einer Kreuzimmunität. Bei genetischen Veränderungen des Virus – so genannten Driftvarianten – könnte der Impfstoff durch die stärkere Immunantwort ebenfalls wirksam sein, vermuten Experten. Darauf lassen auch Studien der Hersteller schließen, die im Zuge der Vogelgrippepandemie durchgeführt worden waren.

Außerdem hilft der Adjuvans-Impfstoff bei Personen mit einem schwächeren Abwehrsystem wie älteren Menschen und Immunsupprimierten, eine ausreichende Immunisierung zu erzielen. Welcher Mechanismus die Antikörperbildung verstärkt und das Gedächtnis der B-Zellen verbessert, ist bislang nicht vollständig bekannt. Experten gehen davon aus, dass Adjuvantien sowohl die Aufnahme von Antigenen als auch deren Präsentation durch unspezifische Immunzellen unterstützen.

Während früher vor allem Aluminiumsalze zur Verstärkung der Immunreaktion eingesetzt wurden, gibt es heute eine ganze Reihe verfügbarer Substanzen. Die Hilfsstoffe werden jeweils an das Antigen angepasst, um die bestmögliche Wirkung zu erreichen.

Bei den pandemischen Impfstoffen werden Öl-in-Wasser-Emulsionen eingesetzt, an deren Grenzfläche sich die Antigene anlagern können. Die Hersteller gehen davon aus, dass sich an der Einstichstelle ein Depot bildet und dadurch die Immunantwort verlängert wird.

Die Zusätze bei Focetria (MF59, Mikrofluid) und Pandemrix (AS03, Adjuvanssystem) unterscheiden sich in nur einer Komponente. Beide Adjuvantien bestehen aus wirkverstärkendem Squalen und dem Emulgator Polysorbat (Tween) 80. Novartis fügt Focetria zusätzlich den Emulgator Sorbitantrioleat (Span 85) zu. GSK setzt in Pandemrix auf den immunstimulierenden Effekt von alpha-Tocopherol.

Während das Adjuvans in Pandemrix das erste Mal in einem Fertigarzneimittel zur Anwendung kommt, gibt es seit dem Jahr 2000 Erfahrungen mit MF59. Der Wirkverstärker ist dem saisonalen Grippeimpfstoff Fluad zugesetzt und wurde nach Angaben von Novartis seit der Markteinführung mehr als 40 Millionen Mal verimpft.

Obwohl das Prinzip der Wirkverstärkung bei Impfstoffen schon seit Jahrzehnten etabliert ist, fürchten Kritiker um die Sicherheit der pandemischen Impfstoffe. Vor allem das höhere Nebenwirkungsspektrum im Vergleich zu Vakzinen ohne Wirkverstärker wird bemängelt. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) können Adjuvantien unerwünschte Reaktionen an der Einstichstelle wie Schwellungen, Rötungen und Schmerzen verstärken. Außerdem wurden in Studien häufiger Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen beobachtet.

Yvette Meißner, Montag, 05. Oktober 2009, 12:15 Uhr

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