Berlin - Die britische Arzneimittelaufsichtsbehörde hat vor einer möglichen Interaktion zwischen dem Neuraminidasehemmer Oseltamivir (Tamiflu) und dem Antikoagulantium Warfarin (Coumadin) gewarnt. Im Zuge der Schweinegrippe-Pandemie seien vermehrt Fälle aufgetreten, bei denen Warfarin-Patienten, die Tamiflu erhielten, einen erhöhten INR-Wert aufwiesen. Je höher der Wert, desto stärker ist die Blutverdünnung herabgesetzt.
Ob der beobachtete Effekt tatsächlich auf eine Interaktion der beiden Arzneistoffe oder auf die Grunderkrankung zurückzuführen ist, sei wegen mangelnder Daten nicht feststellbar, teilte die Behörde mit.
Der staatliche Gesundheitsdienst NHS hält eine Interaktion sowohl auf pharmakokinetischer also auch auf pharmakodynamischer Ebene für unwahrscheinlich. Oseltamivir und Zanamivir binden den Angaben zufolge nur zu einem geringen Anteil an Plasmaeiweiße. Zudem seien die Wirkstoffe weder Inhibitoren noch Aktivatoren des Cytochrom-P-450-Systems.
Der NHS hält das als Symptom der Schweinegrippe auftretende Fieber für eine mögliche Ursache des INR-Wert-Anstiegs. Es sei bekannt, dass fiebrige Erkrankungen den Effekt von Warfarin verstärken können. Diesem Phänomen liegt den Angaben zufolge möglicherweise ein schnellerer Abbau der Gerinnungsfaktoren zugrunde.
Der Arzneimittelbehörde in Großbritannien sind seit April dieses Jahres 533 Fälle von unerwünschten Arzneimittelwirkungen für Oseltamivir sowie 12 für Zanamivir (Relenza) gemeldet worden.
APOTHEKE ADHOC, Freitag, 21. August 2009, 17:16 Uhr
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