Berlin - Bei der Ausschreibung der neuen Rabattverträge hat die AOK Zeit gewonnen. Laut Mitteilung der Kasse haben alle Hersteller, die Zuschläge erhalten sollen, ihre Angebote bis zum 2. Mai verlängert. Weil die Kasse wegen der andauernden Rechtsstreitigkeiten noch keine Zuschläge erteilen darf, hatte sie den Start der Rabattverträge auf den 1. Juni verschoben. Die Ausschreibung hatte die Hersteller allerdings nur bis Anfang März an ihre Angebote gebunden.
Ein Scheitern der Verträge – wie teilweise bei der vergangenen Ausschreibung – befürchtet die Kasse diesmal nicht. Weder Vergabekammern noch Landessozialgerichte hätten „Hundehaare in der Suppe gefunden“, sagte Karl-Heinz Schönbach vom AOK Bundesverband kürzlich bei einer Diskussionsveranstaltung des Branchenverbandes Pro Generika. Die Umsetzung der Rabattverträge solle im Konsens mit den Herstellern erfolgen, sagte Schönbach.
Die Generikaindustrie fühlt sich dagegen in die Verträge gezwungen: „Wir versuchen doch nur, die Rabattverträge mit Leben zu erfüllen, um selbst am Leben zu bleiben“, sagte Wolfgang Späth, Vorstandsmitglied bei Hexal und Vorsitzender bei Pro Generika. „Mir fällt es schwer, das Wort Gewinner bei der Ausschreibung über die Lippen zu bringen“, so Späth.
Allein bei der Kalkulation ihrer Angebote entstehen den Generikaherstellern Späth zufolge enorme Kosten: „In unserem Haus wurde ein interdisziplinäres Team gebildet und ein externer Berater hinzugezogen.“ Die Kosten bewegten sich im siebenstelligen Bereich. Schließlich erhalten aus seiner Sicht nur Unternehmen den Zuschlag, die in den Bereich der Grenzkosten gehen – oder darunter.
Abgesehen von den zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Umstellung der Patienten können die Apotheker dem Start der neuen Rabattverträge gelassen entgegensehen. Dem Vernehmen nach wird es wieder eine Friedenspflicht zwischen Apothekern und Kasse geben. Retaxierungen sollen nicht vollstreckt werden, bis sich die Verträge eingespielt haben.
Alexander Müller, Mittwoch, 04. März 2009, 12:35 Uhr
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