Berlin - Der AOK Niedersachsen ist offenbar eine gewaltige Datenpanne unterlaufen. Irrtümlich habe die Kasse zahlreiche Patientendaten der niederländischen Versandapotheke DocMorris an ihn verschickt, sagte Apotheker Hermann Rohlfs aus Uslar gegenüber APOTHEKE ADHOC. Die sensiblen Daten waren ausgerechnet mit den jüngsten Retaxationen ins Haus gekommen.
Per Post hat Rohlfs nach eigenen Angaben die vollständigen Datensätze von 30 AOK-Versicherten erhalten: Name, Geburtsdatum, Anschrift, behandelnder Arzt, Diagnose sowie eine Auflistung aller verschriebenen Medikamente. Die Rezepte wurden offenbar von DocMorris bei der AOK eingereicht – der Name der Celesio-Tochter steht auf allen Kopien. Rohlfs vermutet aufgrund der Medikation, dass es sich bei den Versicherten vor allem um Diabetiker, Dialyse- und Krebspatienten handelt.
Da Rohlfs bei der Abrechnung mehr als 500 Retaxationen erhalten hatte, wäre der Fehler beinahe nicht aufgefallen. „Wer weiß, wie oft das bei mir oder bei anderen Kollegen schon passiert ist“, sagte Rohlfs. Der Apotheker erhebt schwere Vorwürfe gegen die Kasse: „Die AOK sollte lieber weniger retaxieren, dafür genauer hinschauen. Dann könnte ein solcher Datenskandal gar nicht erst passieren.“ Er will gegen die Kasse Anzeige erstatten.
Bei der AOK Niedersachsen beteuert man, dass es sich bei dem Irrläufer um einen Einzelfall gehandelt habe. „Natürlich werden wir dem nachgehen und für eine lückenlose Aufklärung sorgen“, sagte ein Sprecher gegenüber APOTHEKE ADHOC. Mehr als 18 Millionen Rezepte würden bei der Kasse pro Jahr abgerechnet, jetzt sei in 30 Fällen bei einer Aussendung ein Fehler unterlaufen. „Normalerweise ist das Verfahren sicher“, so der Sprecher. „Trotzdem: Eine Datenpanne ist eine Datenpanne. Das darf sich nicht wiederholen.“
Rohlfs ist in der Branche bekannt, seit er im Mai Pick-up-Stellen in Shell-Tankstellen installierte. Das Projekt „Apotank“ wurde im September allerdings schon wieder eingestellt. Rohlfs trägt es mit Fassung: „Wenn es geklappt hätte, wäre es schön gewesen. Aber wenn ich die politischen Diskussionen sehe, die wir damit ausgelöst haben, freue ich mich diebisch. Wir wollten die Perversion, das hat gewirkt“, so Rohlfs.
Alexander Müller, Montag, 23. November 2009, 18:01 Uhr
Internet-TV: Beitrag enthüllt DocMorris-Kundendaten
Pick up: Aus für „Apotank“
Pick up: Shell nervös wegen Apotank
Versandhandel: Pick up an der Tankstelle
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