zoom Rückruf wegen Fälschungsverdacht: Boehringer Ingelheim hat zwei Chargen seines HOV-Medikamentes Viramune zurückgerufen. Foto: Elke Hinkelbein

Rückruf wegen Fälschungsverdacht: Boehringer Ingelheim hat zwei Chargen seines HOV-Medikamentes Viramune zurückgerufen. Foto: Elke Hinkelbein

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APOTHEKENPRAXIS

ARZNEIMITTELFäLSCHUNG

Boehringer ruft Viramune zurück

Berlin  -  Der Pharmahersteller Boehringer Ingelheim hat zwei Chargen (803899, 804952) seines HIV-Medikaments Viramune (Nevirapin) wegen des Verdachts einer Arzneimittelfälschung vorsorglich zurückgerufen. Wie bei den Ende August von GlaxoSmithKline (GSK) zurückgerufenen Combivir-Produkten sind nach bisherigen Erkenntnissen nur die Packmittel gefälscht.

Auslöser für den Rückruf war eine polizeiliche Durchsuchung einer Firma auf Sylt, bei der neben den HIV-Medikamenten Combivir, Trizivir und Epivir von GSK auch 400 Packungen Viramune sichergestellt wurden. Bereits im Juni war in einer Delmenhorster Apotheke eine Packung Combivir mit leerem Blisterstreifen aufgetaucht. Die Ermittler konnten die Ware schließlich über mehrere Stationen bis zu einem Sylter Zwischenhändler zurückverfolgen.

Dieser weist den Vorwurf, gefälschte Präparate vertrieben zu haben, zurück: „Wir verkaufen nur Originalware“, sagte ein Sprecher gegenüber APOTHEKE ADHOC. Von jeder vertriebenen Charge werde vor der Auslieferung eine Packung entnommen, in ein neutrales Labor geschickt und dort mit der Originalware des Herstellers, die man vom Großhandel beziehe, verglichen.

Tatsächlich konnten sowohl bei GSK also auch bei Boehringer Ingelheim bei allen bislang untersuchten Packungen lediglich die Blister, die Umverpackungen sowie die Gebrauchsinformationen als Fälschung identifiziert werden. Die analysierten Viramune-Tabletten entsprachen den Angaben zufolge in Aussehen, Identität und Gehalt der Originalware. Auch bei GSK war der Wirkstoffgehalt der analysierten Produkte in Ordnung.

Bislang lägen keine Meldungen über Nebenwirkungen oder Wirkungslosigkeit zu den betroffenen Chargen vor, sagte die Boehringer Ingelheim-Sprecherin. Da eine Gefährdung der Patienten nicht ausgeschlossen werden könne, sei der Rückruf ausgelöst worden.

„Nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen sind die betreffenden Packungen, die sich als gefälscht erwiesen haben, alle oder teilweise in den Großhandel gelangt und an Apotheken ausgeliefert worden“, sagte die Sprecherin. Die Fälschungen seien sehr gut und würden die Nummern zweier Chargen tragen, die auch als Originalware von Boehringer Ingelheim für den Markt freigegeben wurden.

Erfahrungsgemäß würden alle ausgelieferten Chargen innerhalb von zwei bis drei Monaten an den Patienten abgegeben. „Es ist deshalb davon auszugehen, dass keine Original-Boehringer Ingelheim-Ware dieser Chargen mehr in den Apotheken vorrätig ist“, so die Sprecherin.

Désirée Kietzmann, Mittwoch, 25. November 2009, 15:28 Uhr

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