Lübeck - In der Lübecker Uniklinik haben Ärzte weltweit erstmals eine Unterkieferspeicheldrüse als Ersatz für eine Tränendrüse von Mensch zu Mensch verpflanzt. Ein 43 Jahre alter Patient, der an dem so genannten Sicca-Syndrom litt, habe das Organ von seinem Bruder erhalten, sagte der Direktor der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie, Dr. Peter Sieg. In einer sechsstündigen Operation verpflanzten zwei Ärzteteams das etwa pflaumengroße Organ, das jetzt bei dem Empfänger die Funktion der Tränendrüse übernehmen soll.
„Spender und Empfänger sind wohlauf, und in rund zwei Wochen werden wir wissen, ob die Speicheldrüse ihre neue Funktion aufgenommen hat“, sagte Sieg vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Die Lübecker Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie ist nach Angaben des UKSH eine von wenigen Klinken weltweit, die therapieresistente Fälle des Trockenen Auges durch die Verpflanzung einer Speicheldrüse in die Augenregion behandelt. 1994 war es europaweit zum ersten Mal gelungen, bei einem Menschen eine eigene Speicheldrüse zu verpflanzen.
Im Fall des 43-Jährigen waren die Ärzte jedoch auf einen Spender angewiesen, weil die Tränendrüsen und ein Teil der Speicheldrüsen durch eine vorangegangene Krebstherapie funktionslos geworden waren. Der Mann drohte deshalb langfristig zu erblinden. „Da der Patient zuvor bereits eine Knochenmarkspende von seinem Bruder erhalten hatte, brauchten wir nicht mit einer Abstoßungsreaktionen zu rechnen“, sagte Sieg.
Laut Sieg leiden weltweit rund fünf Millionen Menschen an dem Sicca-Syndrom, bei dem zu wenig Tränenflüssigkeit produziert wird. Doch nur in ein bis zwei Prozent der Fälle werde die Augenoberfläche gar nicht benetzt und könne auch nicht durch künstliche Tränenflüssigkeit ausreichend befeuchtet werden. „Falls unsere Operationsmethode erfolgreich ist und es passende Spender gibt, könnte diesen Betroffenen zukünftig geholfen werden“, sagte der Mediziner.
dpa, Montag, 08. Februar 2010, 15:04 Uhr
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