Berlin - In Großbritannien versorgt der Stuttgarter Pharmahändler Celesio seit einigen Monaten Patienten, die in ihrem häuslichen Umfeld behandelt werden, mit Arzneimitteln. Bei dem Projekt mit dem Titel „Evolution Homecare“ kooperiert der Konzern mit Pflegediensten vor Ort. Kunden sind Pharmahersteller, die ihre teuren Produkte in geschulten Händen wissen wollen. Nun sollen auch deutsche Patienten von Celesio beliefert werden.
In dieser Woche suchte der Konzern bereits nach einem Geschäftsführer für die künftige Unternehmenssparte. Der erste Mann soll nicht nur sein Team zusammenstellen und die komplette Organisation aufbauen, sondern auch den Kontakt zu Kunden, Interessengruppen und Behörden suchen. Die Weiterentwicklung des Konzepts sowie die internationale Expansion, beginnend in den Niederlanden und Belgien, gehören ebenfalls zum Jobprofil.
Noch vor wenigen Monaten hatte Celesio-Chef Dr. Fritz Oesterle erklärt, Deutschland komme für das Homecare-Geschäft nicht in Frage: Die Vergütungsstrukturen stimmten noch nicht, und man könne das Modell nur anbieten, wenn man selbst eine Apotheke betreiben dürfe.
Wie Oesterle diese apothekenrechtliche Klippe jetzt umschiffen will, ist noch nicht bekannt: Eine Anfrage von APOTHEKE ADHOC an den Konzern blieb bislang unbeantwortet. Denkbar wäre, ausländische Celesio-Apotheken oder die Versandapotheke DocMorris mit der Belieferung zu beauftragen. Alternativ könnten deutsche Apotheken eingebunden werden.
Seit Herbst 2008 baut Celesio „Evoution Homecare“ in Großbritannien auf. Im zweiten Quartal gewann der Konzern eine Ausschreibung für die Versorgung von rund 350 HIV-Patienten in Newcastle.
Der noch junge Markt ist bereits hart umkämpft: Erst vor kurzem kündigte der US-Konzern Medco an, in Kooperation mit dem irischen Goßhändler United Drug britische Patienten mit Arzneimitteln beliefern zu wollen. Auch andere Anbieter wie die schweizerische Versandapotheke Mediservice oder der niederländische Pharmahändler Mediq/OPG sind im Bereich „Specialty Pharmacy“ aktiv. In Deutschland liefert die Kohl-Tochter Assist, in Zusammenarbeit mit Apotheken vor Ort, Arzneimittel bis ans Krankenbett.
APOTHEKE ADHOC, Donnerstag, 22. Oktober 2009, 16:46 Uhr
Kohl-Gruppe: Arzneimittel bis ans Krankenbett
Homecare Pharmacy: Medco beliefert britische Patienten
Reimport/Verblisterung: Kohl lobbyiert in Brüssel
Schweiz: Galenica kauft Versandapotheke
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