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PANORAMA

RUSSLAND

Werbeverbot für Wunderheiler

Moskau  -  Mit Wodka gegen radioaktive Strahlen und mit Wünschelruten gegen Hautkrebs: In Russland haben medizinischer Hokuspokus und fauler Zauber Hochkonjunktur. Nach zahlreichen Todesfällen will die Staatsduma nun Scharlatanen das Handwerk legen. Einem Gesetzentwurf zufolge wird bereits das öffentliche Werben für „okkult-mystische Dienstleistungen“ strafbar sein.

Kräuterhexen und Kartenleger präsentieren sich derzeit noch seitenweise in Russlands Boulevardzeitungen. „Ein Blick in die Kristallkugel von Babuschka Nadja löst Ihre Eheprobleme“, heißt es dort, oder auch: „Express-Magie, auf Wunsch per SMS.“ Hinter den Anzeigen steckten Betrüger, die sich ihre Weissagungen teuer bezahlen ließen, schimpft der Abgeordnete Viktor Swagelski von der Regierungspartei Geeintes Russland als Initiator des Gesetzes. „Das ist eine riesige Schattenwirtschaft mit gewissenlosen Profiteuren.“

Jährlich sterben nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums etwa 500 Menschen durch „esoterische Rituale“. In Krisenzeiten wie jetzt ist die Nachfrage nach Horoskopen und Weissagungen besonders hoch. Tatsächlich erstaunte es nur wenige Menschen in Moskau, als vor kurzem ein Oligarch dem Sea Life Aquarium Oberhausen für den berühmten „Orakel-Tintenfisch“ Paul 500.000 Euro bot. Das Riesenreich stehe vor vielen ungelösten Fragen, begründete der Milliardär seine Offerte. „Der Krake muss uns sagen, wie es weitergeht.“

Die Sehnsucht nach dem Übersinnlichen durchzieht alle Teile der russischen Gesellschaft – auch die Armee. So erzählte der Kapitän eines waffenstarrenden Atom-U-Boots im Nordpolarmeer der Zeitung „Kommersant“, die Besatzung achte auf regelmäßigen Wodka-Konsum. Dies geschehe aber aus streng medizinischen Gründen, denn Alkoholmoleküle würden ja vor radioaktiven Strahlen schützen.

Es gehe der Duma nicht darum, die Tradition der Volksmedizin zu zerstören, betont Swagelski. „Aber oft merken die Leute zu spät, dass Handauflegen und Geistheilen nicht helfen.“ Mit schweren organischen Krankheiten wie Krebs sollten die Menschen zu einem Arzt gehen und nicht zu einem der schätzungsweise 1000 Schamanen in Russland, sagt der Abgeordnete. Künftig sollen laut dem geplanten Gesetz wie in Deutschland nur noch Ärzte und Heilpraktiker mit einem offiziellen Diplom für ihre Leistungen werben dürfen. Gefälschte Urkunden sind allerdings in Russland noch weiter verbreitet als Wunderheiler.

dpa, Donnerstag, 29. Juli 2010, 09:23 Uhr

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