Berlin - Von den aktuellen Plänen der Regierung zur Umstellung der Großhandelsvergütung wurden die Großhändler kalt erwischt. Nach den guten Gesprächen mit den Fachleuten aus Gesundheits- und Wirtschaftsministerium träfen die neuen Vorgaben die Branche „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“, sagte Hanns-Heinrich Kehr, Geschäftsführer von Pharma Privat. Im von dem Bundeskabinett abgestimmten Gesetzesentwurf ist ein Kombimodell aus einer Fixpauschale von 60 Cent und einem prozentualen Zuschlag von 1,7 Prozent und maximal 20,40 Euro vorgesehen.
„Offensichtlich will die Koalition in den sehr wettbewerbsintensiven Markt eingreifen und Preiszugeständnisse des Großhandels an die Apotheke 'absaugen' und den Krankenkassen zusprechen“, so Kehr.
Diese Pläne gehen aus Sicht der privaten Großhändler „weit über ein erträgliches Maß für Großhandel und Apotheke hinaus“. Zudem sollten offensichtlich auch Rabatte für Produkte „abgesaugt“ werden, die gar nicht von den Krankenkassen bezahlt werden. „Wir verlieren so die Möglichkeit, durch Funktionsrabatte rationelles Bestellverhalten von Apotheken zu honorieren“, so Kehr.
Die privaten Großhändler monieren, dass der Branche nun – trotz Versorgungsauftrag – die wirtschaftliche Basis entzogen werde. „Es kann doch nicht sein, dass wir ein 8000 Euro teures Krebsmedikament, das in Kühlkette geliefert werden muss, für eine Brutto-Marge von 21 Euro statt bisher 72 Euro einkaufen, lagern, ausliefern und noch sechs Wochen vorfinanzieren sollen“, sagt Kehr. Schon die Kapitalkosten würden die Spanne mehr als auffressen.
APOTHEKE ADHOC, Freitag, 02. Juli 2010, 17:55 Uhr
Honorarkürzung: Großhändler geben sich gelassen
Interview Fritz Becker: „Es wird eng für Tausende Apotheken“
Großhandelsmarge: Rabatt-Halbierung für Apotheken?
Arzneimittel-Sparpaket: Kabinett will bei Apotheken sparen
Kommentar: Abgeschöpft und ausgesaugt
Großhandelszuschlag: 60 Cent plus 1,7 Prozent
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