Berlin - Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA, die Zulassung von Antiadiposita mit dem Wirkstoff Sibutramin ruhen zu lassen, will der Pharmahersteller Abbott die Vermarktung entsprechender Medikamente in der Europäischen Union (EU) sowie in Island und Norwegen aussetzen. Abbott hatte den Wirkstoff europaweit unter den Markennamen Reductil, Meridia, Sibutral, Ectiva und Raductil vertrieben. Außerhalb der EU werde Sibutramin allerdings auch weiterhin erhältlich sein, teile der Konzern mit.
Die Empfehlung der EMA erfolgte nach einer Analyse von Daten zum kardiovaskulären Risiko der Substanz. Auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA überprüft derzeit das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Sibutramin. Obwohl die Bewertung noch nicht abgeschlossen ist, informierte die FDA gestern über eine Reihe neuer Kontraindikationen für Sibutramin. Dazu zählen koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen, periphere arterielle Verschlusskrankheit sowie unkontrollierter Bluthochdruck.
Einen freiwilligen Rückzug vom amerikanischen Markt zieht Abbott bislang nicht in Betracht: „Das Produkt bleibt in den USA auf dem Markt“, teilte der Hersteller mit. Nach Einschätzung der Firma verfügt Sibutramin weiterhin über ein positives Nutzen-Risiko-Profil, wenn es entsprechend der Fachinformation von denjenigen Patienten eingenommen wird, für die es zugelassen wurde. „Wir sind überzeugt, dass viele Patienten von Sibutramin profitieren. Bei allem Respekt stimmen wir daher nicht mit der Meinung des Ausschusses und der Empfehlung zur Aussetzung des Medikaments überein“, erklärte ein Abbott-Sprecher.
APOTHEKE ADHOC, Freitag, 22. Januar 2010, 13:54 Uhr
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