Berlin - Die Diskussion um die Sicherheit des Schweinegrippe-Impftstoffs Pandemrix ist in den vergangenen Tagen durch eine über das Internet verbreitete Kettenmail erneut angeheizt worden. In der E-Mail warnt eine Frankfurter Ärztin davor, das Adjuvans Squalen könne zum so genannten Golfkriegs-Syndrom (GWS) führen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wies die Vorwürfe zurück und betonte in einer Stellungnahme, es gebe keinen Anlass zu Sorge.
Beim GWS handelt es sich um eine Gesundheitsstörung mit verschiedenen Symptomen wie Gelenk- und Muskelschmerzen, ungewöhnlicher Müdigkeit und Erschöpfungszuständen sowie Gedächtnisproblemen. Die Erkrankung wurde erstmals bei den heimgekehrten Soldaten des Zweiten Golfkrieges beobachtet. Ihre Ursache ist dem PEI zufolge unbekannt.
Nach Ansicht der Frankfurter Medizinerin ist Squalen für die Beschwerden verantwortlich. Die Mail nimmt Bezug auf eine Studie, in der US-Soldaten einen angeblich squalenhaltigen Anthrax-Impftstoff erhalten hatten. „Jeder vierte von ihnen bekam die so genannte Golfkriegskrankheit“, heißt es weiter.
Als Krankheitsursache in den Verdacht geraten war Squalen nachdem im Jahr 2000 Antikörper gegen die Substanz im Serum von GWS-erkrankten Golfkriegsveteranen nachgewiesen wurden. Allerdings stellte sich laut PEI in weiteren Studien heraus, dass auch ein großer Teil der normalen Bevölkerung bereits in geringen Mengen Squalen-Antikörper aufweist. Zudem hätten spätere Tests ergeben, dass der Anthrax-Impfstoff nicht squalenhaltig war.
Die Behörde kommt deshalb zu dem Schluss, „dass kein Zusammenhang besteht zwischen Squalen-Antikörpern und einem unklaren Krankheitsbild, das als 'gulf war syndrome' zusammengefasst wird“. Der Impfstoff Pandemrix mit dem squalenhaltigen Adjuvanz AS03 sei zudem inzwischen in klinischen Studien bei mehr als 30.000 Probanden eingesetzt worden, ohne dass es auffällige Nebenwirkungen gegeben hätte.
Bei Squalen handelt es sich um ein natürliches Zwischenprodukt des menschlichen Cholesterinstoffwechsels. Zudem ist es ein Hauptbestandteil vieler Nahrungsergänzungs- und Lebensmitteln wie Lebertran, Fisch- und Olivenöl. Die Menge an Squalen, die in einer Dosis Impfstoff enthalten ist, liegt laut PEI nicht höher als die durchschnittliche Menge, die täglich mit der Nahrung aufgenommen wird.
Désirée Kietzmann, Freitag, 13. November 2009, 13:10 Uhr
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